Stabilität und Leichtigkeit - auf der Matte und im Leben

Schon lange wollte ich zu dem Thema Stabilität und Leichtigkeit einen Beitrag schreiben, da dieses Zusammenspiel eines meiner liebsten Aspekte im Yoga ist. Nun bekommt der Artikel durch die aktuelle Situation um Corona noch eine ganz andere Bedeutung, als ich es eigentlich geplant hatte.

Alte Weisheit, die immer ihre Gültigkeit hat

In dem etwa 2000 Jahre alten Yogasutra, einem der wichtigsten Schriften des Yoga, schreibt Patanjali in Vers 2.46 wie eine Asana idealerweise ausgeführt werden soll, nämlich: „Sthira-sukham asanam“. Übersetzt bedeutet dies „Die Haltung ist stabil und leicht zugleich“. Was bedeutet es also, wenn eine Asana diese beiden Qualitäten aufweisen soll? Auf der einen Seite stabil und fest und auf der anderen Seite leicht und angenehm. Geht denn beides überhaupt gleichzeitig? Ja, das geht. Und es ist wichtig dies zu üben um mit deiner Praxis voranzuschreiten.

Zunächst einmal die Stabilität

Diese gibt dir die nötige Erdung und Kraft, um die Asana gut halten zu können. So ist es wichtig dein Fundament aufzubauen, die Teile des Körpers, die Boden- bzw. Mattenkontakt haben, gut zu verwurzeln und dich darüber aufzurichten. Die Muskulatur, die für die korrekte und gesunde Ausführung der Stellung wichtig ist, sollte aktiviert sein.

Genauso wichtig ist die Leichtigkeit

Gleichzeitig sind aber auch Leichtigkeit und Flexibilität nötig um loslassen und sich ausdehnen zu können. Das bedeutet unter anderem die nicht benötigte Muskulatur zu entspannen. Oft kann ich meinen Yogaschülern die Anspannung direkt im Gesicht ablesen. Doch genau diese Muskulatur brauchen wir in den seltensten Fällen um die Asana korrekt auszuführen, oder? So kann ein Schritt zu mehr Leichtigkeit bereits der sein dein Gesicht mehr zu entspannen.
Daneben sollte auch der Atem entspannt fließen können. Du kannst dir den Atem immer als Gradmesser dafür nehmen, wieviel Leichtigkeit du gerade in deiner Yogapraxis hast. Ist der Atem stoßweise oder gehetzt? Dann ist die Asana wohl gerade etwas anstrengend für dich. Im Umkehrschluss kannst du aber deinen Atem auch gezielt ruhiger werden lassen und so mehr Leichtigkeit und Weite in deine Praxis zurückholen.

Ist Stabilität und Leichtigkeit nur auf der Matte wichtig?

Wie so oft im Yoga üben wir nicht nur für die Matte, sondern fürs Leben. Stabilität und Leichtigkeit sind beides Qualitäten, die wir in ihrem Zusammenspiel auch in unserem täglichen Leben benötigen.
Die Erdung und Stabilität ist wichtig, damit wir fest im Leben stehen und uns beispielsweise Widrigkeiten von außen nicht so leicht umwerfen können. Gleichzeitig ist aber auch eine Leichtigkeit und Flexibilität wichtig, die uns offen für die Veränderungen macht, die das Leben mit sich bringt und uns hilft, an Herausforderungen zu wachsen.

Ich stelle mir das gern sehr bildlich mit einem Baum vor. Dieser ist mit seinem ausladenden Wurzelwerk gut im Erdboden verankert und hat einen kräftigen Stamm, der ihn aufrichtet. Aber gleichzeitig ist das Holz auch biegsam und flexibel. Die Baumkrone und Äste bewegen sich mit Leichtigkeit im Wind, geben dem Druck von außen nach ohne daran zu zerbrechen. Durch diese Kombination ist der Baum auch während schwerer Stürme in der Lage standzuhalten und nicht umzufallen.

Stabilität&Leichtigkeit

Und was bedeutet das JETZT für dich?

Gerade im Moment und in der Situation um Corona kann man schnell den Eindruck haben beides zu verlieren. Ins Straucheln kommen, seine Routinen verlieren, Ängste und Sorgen schwirren durch den Kopf. Unser ganzes Leben ist gerade ordentlich durcheinander gewirbelt worden, der Alltag bei den meisten ganz anders, das soziale Miteinander beschränkt sich meist auf Videotelefonie. Diese Stabilität scheint uns verloren gegangen zu sein.
Und wo ist die Leichtigkeit geblieben? Viele Freuden, die wir sonst genießen konnten, bleiben uns derzeit verwehrt. Nach über einem Monat, in dem wir nun mit Ausgangsbeschränkungen leben, mehren sich die Sorgen, die psychische Belastung durch die individuell erschwerten Situationen wächst.

Und auch mir ging es so. Auch ich verliere ab und an meine Stabilität und Leichtigkeit. Doch gleichzeitig erinnert es mich daran, dass wir diese Qualitäten eben nicht auf Dauer im Außen suchen können. Wir müssen sie aus unserem Inneren heraus erschaffen. Und ja, zur Zeit kann das auch täglich wieder eine Herausforderung sein. Wie du für dich jetzt deine Stabilität und Leichtigkeit zurückbekommst? Ganz ehrlich, das kann ich dir nicht beantworten. Das kannst nur du. Du hast die Kraft dazu in dir selbst.

Gibt es einige Hilfestellungen für mehr Stabilität und Leichtigkeit?

Ich kann dir an dieser Stelle nur Anreize geben. Du musst dann für dich selbst herausfinden, was für dich funktioniert. Mir hilft es eine Routine für meinen Tag zu haben. Insbesondere ist da der Morgen wichtig, an dem ich mir Zeit für mich nehme. Unter anderem mit Yoga und Meditation.

Ein weiterer Punkt für meine innere Stabilität ist es darauf zu achten positive Gedanken zu haben. An sich kommen die Gedanken erstmal einfach so in deinen Kopf. Da kannst du nicht viel machen. Aber der nächste Schritt ist entscheidend. Wenn ein Gedanke kommt, was machst du dann mit diesem? Wenn du ihn nicht weiter beachtest, geht er einfach wieder. Aber wenn du ihm nachhängst, ins Grübeln kommst, dann verstärkt er sich. Und so kommen mehr von diesen Gedanken. Du gerätst in eine Spirale dieser Gedanken, die dich immer weiter in Beschlag nimmt. Sind diese Gedanken nun negativ, voller Sorgen, dann zieht das auf Dauer deine Energie herunter. Und das beeinträchtigt sowohl deine Stabilität als auch deine Leichtigkeit.
Hänge also diesen Gedanken nicht nach, sondern pflanze aktiv positive Gedanken in deinen Geist. Überlege dir, wofür du gerade dankbar bist. Was macht dein Leben gerade schöner? Richte dich immer wieder auf das Positive aus.

Du kannst die derzeitige Situation vermutlich nicht einfach ändern. Aber du kannst sie annehmen. Und in dieser Annahme, diesem Loslassen, versteckt sich ein enormes Potential für mehr Leichtigkeit. Wenn du den Zustand, wie er jetzt ist, als momentan gegeben betrachtest, löst sich der Widerstand dagegen auf. Das beschert dir ein neues Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit. Und dann hast du auch wieder mehr Kraft um für dich Wege zu finden, damit umzugehen oder etwas zu verändern.

Und auch wenn ich dir eben noch gesagt habe, du sollst Routinen in deinen Tag bringen, so meine ich dennoch nicht, diesen stur zu folgen. Lass auch hier Leichtigkeit hinein, bringe dir wohltuende Abwechslung. Mache etwas, was dich erfreut. Gehe spazieren oder tobe dich ganz kreativ aus. Was auch immer dir Spaß macht und gerade möglich ist. Du kannst dich auch jeden Tag neu entdecken. Eben in dieser Balance aus Routinen und Neuem - der Balance zwischen Stabilität und Leichtigkeit.



Gerade habe ich das Gefühl, dass ich diesen Beitrag auch sehr für mich selbst geschrieben habe. Denn wie gesagt, auch für mich ist es derzeit eine Aufgabe mich jeden Tag von Neuem darauf zu besinnen meine Stabilität zu behalten und gleichzeitig mehr Leichtigkeit zu entwickeln. Ich hoffe, meine Worte in diesem Artikel sind auch dir eine positive Inspiration.

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